Aktuelle Flüchtlings-Situation in Schleswig-Holstein und in Harrislee

Die Europa-Union Deutschland OV Harrislee e.V. hatte zur Diskussion über die aktuelle Flüchtlingskrise eingeladen. Fast 70 Bürger der Gemeinde Harrislee und des Umlandes kamen in das Bürgerhaus in Harrislee und diskutierten mit.

Die Europa-Ministerin Anke Spoorendonk im Gespräch mit Heinz Petersen. Foto: Europa-Union OV Harrislee.

Das Podium war hochrangig und kompetent besetzt: mit der Europa- Ministerin des Landes Schleswig- Holstein, Frau Anke Spoorendonk, dem Referenten der "Jungen Europäischen Föderalisten" Herrn Sebastian Kosok, dem Bürgermeister der Gemeinde Harrislee Herrn Martin Ellermann und als Gesprächsleiter mit dem Vorsitzenden der Europa-Union Harrislee, Herrn Heinz Petersen.

"Deutschland steht vor einer gewaltigen Aufgabe", erklärte die Ministerin. "Es ist vermutlich die größte politische und gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit. Die Aufgabe fordert uns alle: Uns Politiker, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die  tausenden ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Es geht um eine humanitäre Kraftanstrengung, die wir als Gesellschaft leisten müssen. Für uns geht es darum, diese neuen Mitbürger zu integrieren – und für sie geht es darum, sich in einer fremden Welt zu integrieren", sagte Spoorendonk.

Die Ministerin betonte in diesem Zusammenhang die Rolle der Kultur. "Kultur ist auch ein Schlüssel. Denn in ihr versteht man unsere Gesellschaft und ihre Grundfesten viel besser als in Aufnahmetests, in starren Verboten oder Geboten. Und wenn ich überlege, was unsere Kultur schon immer – und immer wieder – durch diejenigen gewonnen hat, die neu hinzukamen, dann freue ich mich auf das, was die heutigen Flüchtlinge mitbringen", so Spoorendonk.

"Immer wieder wollen Menschen aus aller Welt aus den unterschiedlichsten Gründen nach Europa gelangen", referierte anschließend Sebastian Kosok. "Viele fliehen vor Gewalt, Hunger, Armut oder Unterdrückung in ihren Heimatländern und setzen sich großen Gefahren aus: So sind in den vergangenen Jahren viele Menschen auf ihrer Flucht gestorben. Die jüngsten Ereignisse schockieren die Europäer. Wie können wir Europäer helfen? Welche Unterstützung können wir geben, um die Ursachen der Flucht zu beseitigen? Wie können wir denen helfen, die es nach Europa geschafft haben? Seit Inkrafttreten des Lissaboner Vertrags im Jahr 2009 besitzt das Europäische Parlament Mitentscheidungsrechte in der Asyl- und Flüchtlingspolitik", so Kosok.

Um konkrete Harrisleer Zahlen und Taten ging es dann bei dem Vortrag von Martin Ellermann. Sehr eindrucksvoll schilderte der Bürgermeister die Aktivitäten in der Gemeinde in Bezug auf die Betreuung der Flüchtlinge. Er lobte die Hilfsbereitschaft der Harrisleer Bürger und hob hervor, dass viele Bürger sich als Lotsen für die Flüchtlinge zur Verfügung stellen.

Mit einer zu erwartenden Zahl von 150 Flüchtlingen bis Jahresende ist die Möglichkeit an dezentraler Unterbringung ausgeschöpft. Eine Diskussionsrunde, bei der es sehr lebendig zuging, schloss sich den Ausführungen des Podiums an. In dieser stellten die Zuhörer viele Fragen, das Thema brennt allen unter den Nägeln.

Insbesondere verwahrte sich die Ministerin dagegen, dass sie als Vertreterin der dänischen Minderheit die jüngsten Entscheidungen der dänischen Regierung mit trägt oder befürwortet. "Ich habe einen deutschen Pass und bin Ministerin in einem deutschen Bundesland und muss nicht alles was die Regierung in Dänemark tut, gutheißen". Hierbei meinte sie die Entscheidung der neuen Regierung in Dänemark, die Flüchtlingsfrage restriktiver anzugehen.