Die Europäische Union muss reformiert werden – aber wie?

Wie geht es weiter mit der Europäischen Union? Diese Frage stellten sich interessierte Besucherinnen und Besucher des Ratssaals in Preetz, in den die Europa-Union im Kreis Plön den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wilhelm Knelangen von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eingeladen hat.

Der Europa-Experte referierte über die Grundzüge und ursprünglichen Motive der europäischen Integration und mahnte Reformen an. Die Reformvorschläge des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron wären eine gute Gelegenheit für systematische Verbesserungen gewesen, die aber nicht genutzt worden sei. Nach Knelangen bräuchte es in der EU mehr Mut für europäische Lösungen. Es gelte unter anderem, das europäische Parlament zu stärken, eine soziale Dimension der EU zu ergänzen und die geopolitische Lage der EU ernster zu nehmen.

Auch der Brexit war natürlich Thema des Abends und bot Anlass, kreativ über sechs Zukunftsszenarien nachzudenken. „Eine Art Dexit-Szenario hatte natürlich keine Chance an einem Abend mit vielen europäischen Föderalistinnen und Föderalisten. Das wäre der Anfang vom Ende unseres historisch einmaligen Wohlstands, Friedens und der erreichten Freiheiten“, erklärt René Hendricks, Vorsitzender der Europa-Union im Kreis Plön. „Ob ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten, das Weniger-ist-mehr-Szenario oder mutige Reformschritte hin zu unserer Vision eines Bundesstaates Europa der beste Weg ist, haben wir kontrovers diskutiert“, berichtet Carina Westermann, stellvertretende Kreisvorsitzende der Europa-Union. Einig wurde sich die Runde nicht, doch wurde von allen die Notwendigkeit der Reform der EU gesehen. „Der große Wurf ist in Zeiten des erstarkenden Nationalismus und des drohenden Brexits wohl aktuell nicht möglich. Im Kleinen kann aber eine Menge geleistet werden, indem zum Beispiel grenzüberschreitend die Versorgung mit Bussen, Krankenhäusern oder Kindergärten besser abgestimmt wird. Wir möchten uns vor allem dafür einsetzen, dass den Leuten bewusst wird, was sie durch die EU haben. Wir brauchen mehr interkulturelle Kompetenz, um die Stärken unserer Vielfalt sehen zu können“, ist sich der Kreisvorstand der Europa-Union im Kreis Plön einig.

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