Neustadt: Grenzübergeifend für Europa

Auf Einladung von Europabevægelsen Danmark Region Sjælland (Preben Jelsbak) fuhren am 22. September Peter Gollmer, Uwe Muus und Uwe Tychsen sowie als weitere Teilnehmer Mirko Schönfeldt und Michael Erhardt zur „Konference om Femern Bælt-forbindelsen“ in Nykøbing/ Falster. Die Konferenz hatte die Europabevægelsen zusammen mit regionalen Verbänden des Gewerbes und der Wirtschaftsförderung organisiert. Über hundert interessierte Teilnehmer waren erschienen.

Vom Vorstand der EUBEV Sjælland begrüßte die Gäste Preben Jelsbak aus Lolland und sein Vorstandskollege Peter Hansen aus Kalundborg. Der Vorsitzende Jan Wammen Dam aus Greve war entschuldigt. Die Veranstaltungsleitung lag in Händen des Landesvorsitzenden Erik Boel aus Kopenhagen, assistiert von Jens-Kristian Lütken und Sarah Nymand Andersen sna@eubev.dk vom Sekretariat. Erik Boel eröffnete mit einem kurzen Rückblick auf den Beginn der Diskussion über den Brückenbau. Die entscheidende Frage „warum nicht?“ wurde in Einigkeit für dieses Projekt beantwortet. Den vollen Nutzen daraus wird Deutschland aber erst ziehen, wenn Dänemark dem Euro beitritt.

Die langfristige Strategie setzt auf IT, grüne Technologie, HighTec und Tourismus. Svend Erik Hovmand, Vorsitzender der gemeinnützigen Stiftung Fehmarnbelt mit dem Sitz in Holeby wies auf DKK120 Mrd Extrainvestitionen hin, die in den kommenden Jahren in der Region erfolgen. Dazu kommen viele private wie z.B. von IKEA. Wichtiger als die landfeste Verbindung sei aber die mentale Brücke, die Brücke in den Köpfen der Menschen. Die Stiftung Fehmarnbelt ist Dienstleister der Kommunen und der Wirtschaft in der Region. Sie macht diese reif für die landfeste Verbinung.

Das allermeiste bedeutet das Projekt für die heranwachsende Generation Europas. Flemming Møller, ehemaliges Mitglied des Folketings und europapolitischer Sprecher der Venstre, Dänemarks liberaler Partei, stellt die Frage: was führt zur Standortwahl bei Unternehmen? Einmal ist es vorhandene lokale Arbeitskraft, zum anderen die vorhandene Infrastruktur. Das jetzt noch bei Fridericia liegende Infrastrukturzentrum Dänemarks verschiebt sich durch den Tunnelbau nach Osten in die Nähe von Vordingborg. Das wird entscheidend sein bei der Ansiedlung von Betrieben. In Vordingborg gibt es noch Vorbehalte gegen den Zugverkehr, Nykøbing sieht die überwiegenden Vorteile und akzeptiert ihn. Ein großer Kundenkreis ist aus dem Infrastrukturzentrum zu erreichen. „Wo Wege sich kreuzen, da ist auch ein Krug.“

In der anschließenden Diskussion die für die deutschen Gäste neue Information: Lolland wird doch nicht den erhofften Haltepunkt auf der neuen Bahnstrecke erhalten. Über Hochgeschwindigkeitszüge (wie in Schweden auf dem bestehenden Schienennetz) wird nachgedacht.

In der Kaffeepause ergeben sich interessante Kontaktaufnahmen und Gespräche. Jack Wójcikowski von der polnischen Botschaft in Kopenhagen erläutert die polnischen Interessen an der landfesten Verbindung. Ein interessanter neuer Begriff: the science corridor. Forschung, Innovation und Höhere Ausbildung. Für den Bau selbst bieten polnische Betriebe u.a. Leistungen des Stahlbaus aus der westpommerschen Region (Stettin) und der pommerschen Region (Danzig).

Jørgen Skovmose Madsen ist Referent bei der liberalen Europaabgeordneten Anne E. Jensen. Er gibt ein positives Bild über die zu erwartenden EU-Mittel. Die erhöhte Mobilität und damit einhergehendes wirtschaftliches Wachstum ist ein Kernanliegen europäischer Politik. Bessere Infrastruktur bringt auch Ersparnisse auf nationaler Ebene.

Bernhard Zobel von der deutschen Botschaft in Kopenhagen spricht in Vertretung für den erkrankten Peter Harry Carstensen. Er weist auf die nötige Unterstützung durch die Bevölkerung hin: erst ein vollständiges Wissen über das Projekt ergibt die besten Resultate. Wichtig ist für diese Strecke, parallele Verkehrswege wie z.B. über Rostock zu haben.

Flemming Søndergaard aus Næstved, Konsulent bei enterprise europe network schließt die Vortragsrunde ab. Er ist Direktor der Entwiccklungsgesellschaft Næstved, die als AG geführt wird. Aufgabe von EEN ist die Zusammenführung an grenzüberschreitender Zusammenarbeit interessierter Firmen.

In der abschließenden Diskussion wird Dänemarks Sommerhausvorbehalt angesprochen. In der Fehmarnbeltregion kämpft man für die Freigabe des privaten Sommerhauskaufs auch für Ausländer. Zur Debatte um den Bau des Tunnels: Die öffentliche Auseinandersetzung muss auf der Grundlage bestmöglichster Aufklärung geführt werden.

Uffe Nielsen macht den Abschluss. Als Geschäftsführer in der Entwicklungsgesellschaft Næstved weist er darauf hin, dass der Tunnel nicht nur für die Bewohner der Fehmarnbeltregion gebaut wird. Diese müssten aber dessen positive Effekte erkennen und ausnutzen, sich gefühlsmäßig und kulturell damit befassen. Das Projekt der Querspange von Lolland über Langeland und Fünen nach Nordschleswig müsse vorangetrieben werden. Dann erkennen auch die Jütländer Vorteile aus der festen Fehmarnbelt-Querung.

Schon vor Beginn wurden die Gäste aus Schleswig-Holstein von den anwesenden Journalisten angesprochen. Als Vertreter der Europa-Union Deutschlands wurden wir herzlich begrüßt. Pia-Britt Ruberg vom privaten lokalen Fernsehen aus Rødby stellte den Kontakt zum Redakteur des im Aufbau befindlichen Fehmarnbelt-Fernsehens her. Er ist gebürtiger Deutscher und heißt Bert Wiedenfeld. Es soll in deutsch, dänisch und englisch über Themen berichtet werden, die für die Region Fehmarnbelt interessant sind. Der Empfang ist, wie bei TV-Lolland, weltweit über das Internet möglich.

In der Region Schleswig gibt es traditionell gute grenzübergreifende Kontakte. Die Zeit ist ist reif, auch am Fehmarnbelt die grenzenlose Zusammenarbeit in der Europabewegung auszubauen. Im kleinen Kreis werden wir Nägel mit Köpfen machen. Herzlichen Dank an Preben Jelsbak und seine Vorstandskollegen für die Iniative!

Von Uwe Tychsen

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