Wie lange bleibt der Euro noch?

Fast 300 Zuhörer waren der Einladung der Europa-Union und VHS Aumühle/Wohltorf am 26. September ins Augustinum Aumühle gefolgt, um den Vortrag des nicht nur in Fachkreisen bekannten Wissenschaftlers Prof. Dr. Thomas Straubhaar vom HWWI ( Hamburger Weltwirtschafts Institut) zu dieser packenden Frage zu verfolgen. Nach kurzer Begrüßung durch Stiftsdirektor Dr. Bendrath und den Vorsitzenden der Europa-Union ließ der Referent nicht lange auf die Antwort warten:

Prof. Dr. Thomas Straubhaar ist Direktor und Sprecher der Geschäftsführung des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Foto: HWWI.

Die Einführung des Euro war eine politische Entscheidung, keine wirtschaftliche, und so wird sein Bestehen auch eine politische sein. Wir werden den Euro so lange behalten, wie die europäische Politik dazu steht, und so wird er auch noch lange bleiben.

Die Rückkehr zur DM hätte für Deutschland nachteilige Folgen, weil die DM gegen andere Währungen deutlich an Wert gewinnen, aber den Wettbewerb auf den Exportmärkten belasten würde. Bei den Forderungen gegen Gläubiger in Euro würden erhebliche Abschreibungen d.h. Verluste entstehen. Ein zurück zur DM sei teurer als die Rettungsmaßnahmen, wie sie sich heute zulasten Deutschlands darstellen.

Ein Ausscheiden Griechenland aus der Eurozone sei zwar denkbar, würde aber die finanzielle und  wirtschaftliche Gesundung des Landes nicht voranbringen. Griechenland brauche die Mitwirkung der Eurozone, um die erforderlichen Reformen durchzuführen, die aber sollten  nicht überhastet erzwungen werden.
Die hohe Verschuldung einzelner Länder, insbesondere im Süden und Westen der  EU, sei entstanden durch die ungleiche Kraft der jeweiligen Volkswirtschaften und die Bindung an den Euro, versäumte Reformen, zu hohe Ausgaben und die Rettung der nationalen Banken, die infolge der internationalen Finanzkrise ab 2008 vor der Insolvenz standen.

Für die Haltung von Bundeskanzlerin Merkel bei der Bewältigung der Staats-Schuldenkrise im Rahmen der Europäischen Rettungsmaßnahmen fand Prof. Straubhaar Anerkennung. Hilfe zur Selbsthilfe – nicht bedingungslose Hilfe - sei der gebotene Weg, um die Länder Schritt für Schritt aus der Krise zu führen.

In der abschließenden Diskussion nahm das Thema Staatsschulden und Inflation breiten Raum ein. Wie sicher sind unsere Renten ?   Inflation  -  durch höhere Steuern, Abgaben, Preissteigerungen - werde mit der Zeit nicht vermeidbar sein, drohe aber nicht, schlagartig zu kommen.

Die Zuhörer dankten dem Referenten für seine packenden und gut verständlichen Ausführungen mit langem Applaus. Anschließend diskutierte ein großer Teil der Besucher im Foyer bei Sekt und Wein noch munter fort.

Uwe Diezmann, Europa-Union Aumühle/Wohltorf


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