Bericht zum Online-Dialog „Zukunft Europa: Perspektiven im ländlichen Raum“

Am Dienstagabend (19.10.2021) fand im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas der Online-Dialog „Zukunft Europa: Perspektiven im ländlichen Raum“ statt. Die Veranstaltung wurde von dem Ministerium für Justiz, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein in Kooperation mit der Europa-Union Schleswig-Holstein, der Europäischen Bewegung Schleswig-Holstein, dem Europe Direct Kiel und der Landjugend Schleswig-Holstein ausgerichtet.

Der Online-Dialog begann mit einem Grußwort des Europaministers des Landes Schleswig-Holstein, Claus Christian Claussen. Der Europaminister erklärte zunächst, weshalb die Entwicklung und Gestaltung des ländlichen Raums in Schleswig-Holstein einen besonderen Politikschwerpunkt darstellt und warf einige Fragen auf, die später als Diskussionsgrundlage dienen würden. In Anschluss an das Grußwort des Ministers gab es eine kleine Vorstellungsrunde sowie eine kurze Einführung von Simone Stamme zur Konferenz zur Zukunft Europas. Im Zentrum der Diskussionen standen neben Themen wie dem Breitbandausbau, ansteigende Mieten und Fördergelder vor allem die Themen Jugendpartizipation und Co-Working-Spaces.

 

 „Der ländliche Raum ist kein Dauererholungsort“, so Hannes Bumann von der Landjugend SH. Es würde oftmals vergessen werden, dass ländliche Regionen ebenso wirtschaften müssen wie Großstädte in anderen Regionen Deutschlands. 97 Prozent der Landesfläche in Schleswig-Holstein zählen zum ländlichen Raum und rund 78 Prozent der schleswig-holsteinischen Bevölkerung haben dort ihr Zuhause. Frau Benett-Sturies (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume) verdeutlichte die Relevanz dieses Diskussionspunktes noch einmal, indem sie darauf verwies, dass ländliche Regionen in erster Linie Lebensräume sind: Von den Arbeiter*innen in der Landwirtschaft über Herstellungsfabriken bis hin zu kleinen Friseursalons – es sei essenziell für die Wirtschaftskraft des ländlichen Raums nachhaltig regionale Arbeitskraft zu erhalten. Kirsten Voß-Rahe (AktivRegion Schwentine-Holsteinische Schweiz), ergänzte, dass sich zu Beginn der COVID-19-Pandemie die Frage gestellt wurde: „Was passiert mit den ländlichen Regionen in dieser schweren Zeit?“. „Die Antwort: Die Pandemie hat den ländlichen Raum positiv hervorgestellt.“

 

In Bezug auf das Thema Jugendpartizipation gab es während des Online-Dialogs einige Aspekte, die von allen Diskutant*innen stark thematisiert worden sind. In einem Punkt herrschte dabei jedoch Einigkeit: Kinder und Jugendliche möchten sich einbringen und politisch engagieren. Das Problem liege weniger bei dem Engagement und Ideenreichtum der Kinder und Jugendlichen, erklärte Carolina Claus (stellv. Vorsitzende des Landesjugendrings SH). Herausforderungen der Jugendpartizipation im ländlichen Raum seien zum einen die komplizierten Förderrichtlinien und zum anderen das Zusammenspiel von jüngeren und älteren Generationen. Es sei dabei an den Erwachsenen gelegen zuzuhören und die Ideen der jüngeren Generationen ernst zu nehmen. An diesem Punkt sei es in der Vergangenheit oftmals gescheitert. Zudem sei es wichtig, Angebote altersgerecht zu gestalten. Während Jugendliche sich bereits in Gremien in den Aktivregionen einsetzen können, sei es für Kinder auch mit Blick auf Erfolgserlebnisse in diesem Bereich im ersten Schritt sinnvoller Aktionen wie das Baumpflanzen auf Schulhöfen und Kindergartenplätzen oder Projekttage anzubieten und gemeinsam durchzuführen. Fridays for Future habe gezeigt, wie sehr junge Menschen die Politik beeinflussen können. Zusammenfassend brauche es neben der Bereitschaft und kreativen Ideen jedoch ebenfalls ausreichende Finanzmittel und mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft für derartige Projekte.

 

Abschließend wurde über Co-Working-Spaces und deren Vorteile für ländliche Regionen debattiert. Durch die Digitalisierung habe sich die gesamte Arbeitswelt verändert. Der Vorteil von Co-Working-Spaces liege vor allem darin, dass man in ein Büro fahren könne, anstatt zwischen Haushalt und Kindern seiner Arbeit nachzugehen. Dadurch seien Co-Working-Spaces besonders für berufstätige Eltern, Pendler*innen oder Kleinbetriebe eine gute Alternative. Co-Schooling und Co-Studying seien ebenso effektiv. Es könne dabei voneinander gelernt werden und der persönliche Austausch über eigene berufliche oder schulische Herausforderungen könne zudem zu besseren Ergebnissen führen. Zusammenfand ging aus dem Online-Dialog hervor, dass Co-Working-Spaces eine große Chance für den ländlichen Raum darstellen und darüber hinaus das Potenzial haben, ländliche Regionen besonders für junge Erwachsene wieder attraktiver zu machen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal bei allen, die an dem Online-Dialog mitgewirkt haben uns insbesondere bei den Diskutant*innen Hannes Bumann (Landjugend Schleswig-Holstein), Carolina Claus (Landesjugendring), Kirsten Voß-Rahe (AktivRegion Schwentine-Holsteinische Schweiz), Anne Benett-Sturies und Ina Alter (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume), sowie Torsten Sommer und Hermann-Josef Thoben (Akademie für ländliche Räume). Moderiert wurde die Veranstaltung von Simone Stamme (Ministerium für Justiz, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein).